Mauritius – Schmelztiegel im Indischen Ozean

Ich bin nun schon bald ein Jahr wieder zurück von einer etwas über zwei wöchigen Reise nach Mauritius, hab aber jetzt erst die Motivation gefunden meine Erlebnisse nieder zu schreiben.

Es war nicht unser erster Aufenthalt auf Mauritius, und bestimmt auch nicht unser letzter. Unsere erste Reise auf die Insel im Indischen Ozean im August 2014 war verletzungsbedingt leider nicht ganz so wie wir  sie uns vorgestellt hatten, und dennoch lernten wir damals einige  nette und interessante Personen kennen und entschlossen uns so Ende Mai des folgenden Jahres wieder zurück zu kehren. Geplant war eigentlich als Unterkunft eine kleine Wohnung oder ein Haus zu mieten, allerdings stießen wir auf ein interessantes Angebot der Beachcomber Hotelkette und kamen schließlich im Beachcomber Le Victoria bei Pointe aux Piments unter.

Der Flug mit Emirates und Zwischenstop in Dubai verlief reibungslos, der Service an Bord war ausgezeichnet und die Sitze erstaunlich bequem.

Relativ früh morgens kamen wir dann auf Mauritius an, bereits der Anflug auf den bei Mahébourg gelegenen Sir Seewoosagur Ramgoolam International Airport war atemberaubend. Obwohl gleichzeitig mit uns sehr viele weitere Reisende auf dem Flughafen ankamen, konnten wir zügig und unproblematisch einreisen. Uns erwartete direkt ein kleiner Bus der neben uns noch weitere Gäste zu anderen Hotels brachte. Der Transfer dauerte etwa eine Stunde. Bereits auf der Fahrt bemerkte ich dass die Vegetation um diese Jahreszeit wesentlich üppiger war als im August des vorigen Jahres, obwohl der Mai auch schon zur kühleren und trockeneren Jahreszeit gehört. Im Le Victoria angekommen wurden wir äußerst freundlich mit einem kleinen Getränk empfangen und konnten schnell unser Zimmer beziehen. Wir haben keine Vollpension oder All-Inclusive Verpflegung gebucht da wir die meiste Zeit unseres Aufenthalts sowieso nicht im Hotel verbrachten und es auf Mauritius nicht sonderlich schwer ist sich selbst zu versorgen oder günstige Restaurants außerhalb der teuren Hotelanlagen zu finden. Das Zimmer selbst war leider etwas dunkel, aber sehr geräumig und mit direktem Blick auf den Indischen Ozean. Das Le Victoria an sich ist ein älteres Hotel, aber allgemein gut gepflegt und das Personal ist wirklich sehr zuvorkommend und freundlich. Zudem ist die Lage des Le Victorias ziemlich günstig, zwar sehr ruhig und abgeschieden außerhalb der kleinen Ortschaft Pointe aux Piments aber trotzdem mit schnellen Verbindungen zu den wesentlichen Sehenswürdigkeiten und nach Port Louis. Das Hotelgelände ist üppig begrünt und der lange Strand, den sich das Le Victoria mit zwei weiteren Hotels teilt, entspricht tatsächlich den entzückenden Postkarten-Motiven die man von Mauritius so im Kopf hat. Etwas schade ist aber der Blick auf den Containerhafen der Hauptstadt Port Louis und die immerzu einlaufenden Frachtschiffe, an diesem Anblick habe ich mich aber nicht weiter gestört zumal wir die wenigste Zeit auf dem Hotelgelände verbracht haben.

Wer sich zumindest während des Tages selbst versorgen muss der findet unweit des Hotels einen kleinen Laden, der bspw. Getränke zu erschwinglichen Preisen anbietet. Etwas weiter , direkt an einer Straße in Pointe aux Piments gelegen, befindet sich das  kleine und im übrigen sehr gute und preiswerte Restaurant Soleil Couchant.

Was man auf Mauritius gesehen oder gemacht haben sollte, kommt ganz auf die persönlichen Interessen an, aber ich finde man sollte sich unbedingt auch mal unter die einheimische Bevölkerung mischen. Die meisten Bewohner von Mauritius sind sehr gastfreundlich und interessiert, und so haben wir auch schon bereits im Vorjahr einige Freundschaften geschlossen. Von einem guten Freund wurden wir dann auch mehrmals zum Essen zu sich nach Hause eingeladen, es gab mehrere Gänge, Höhepunkt war ein von seiner Mutter zubereitetes traditionelles Curry.

Auf jeden Fall lohnt sich aber ein Ausflug zum Grand Bassin, auch Ganga Talao genannt. Der heilige See wird von farbenfrohen, hinduistischen Tempelanlagen umsäumt und eine gewaltige Statue des Gottes Shiva begrüßt Gäste und Pilger. Tatsächlich ist der Hinduismus noch vor dem Islam und dem Christentum die am weitesten verbreitete Religion auf Mauritius, in fast jeder Ortschaft befinden sich unterschiedliche Tempel und Schreine. Den Besuch am Grand Bassin kann man gut mit einem Ausflug nach Chamarel verbinden. Chamarel ist sicher einen Besuch wert, unweit des Black River Nationalparks gelegen können hier sowohl die atemberaubenden Chamarel Wasserfälle als auch die berühmte siebenfarbige Erde von verschiedenen Beobachtungspunkten aus bestaunt werden.

Auch wenn man bereits bei der Fahrt zum Grand Bassin oder nach Chamarel an einigen Aussichtspunkten einen Blick in die Schluchten des Black River Nationalparks werfen kann, lohnt es sich unbedingt den Black River gesondert zu besuchen um einen der Trails zu wandern. Alle Trails starten scheinbar am Le Pétrin Information Center. Wir entschieden uns für den Macchabée Trail, der bei nur etwa zehn Kilometern Strecke einen einzigartigen Abstieg in das Tal durch verschiedene Vegetationszonen ermöglicht. Bei günstigen Wetterbedingungen ist dieser Trail vermutlich sehr einfach zu bewältigen, allerdings gingen unserer Wanderung heftige Regenfälle und ein starker Sturm voraus, sodass die Wege äußerst rutschig waren. Einen Ausflug in den Black River Nationalpark kann ich dennoch nur jedem empfehlen, es gibt einige  spektakuläre Aussichtspunkte und die ursprüngliche, dichte Vegetation bietet etwas Abwechslung zur sonstigen von weiten Zuckerrohrfeldern geprägten Landschaft.

Ebenfalls sehr empfehlenswert ist ein Ausflug zur Île aux Aigrettes. Die lange Fahrt vom Le Victoria nach Blue Bay, von wo aus die Bootsfahrten auf die kleine, streng geschützte Insel starten, hat sich definitiv gelohnt. Auf der Île aux Aigrettes befinden sich neben den von den Seychellen eingeführten Aldabra-Riesenschildkröten nur auf Mauritius endemische und indigene Tier und Pflanzenarten, und so kann man einen Eindruck gewinnen, wie die Vegetation auf Mauritius  noch vor Ankunft der Kolonialisten ausgesehen haben mag. Den Abstecher zur Île aux Aigrettes kann man übrigens wunderbar mit einem Schnorchelausflug im Blue Bay Marine Park oder einem Besuch der Stadt Mahébourg kombinieren.

Nur unweit des Le Victorias befindet sich der botanische Garten in Pamplemousses. Ich als eine Person die sich durchaus für Botanik interessieren kann empfand selbst unseren zweiten Besuch dort noch als sehr interessant und aufschlussreich. Dem oft fotografierten Seerosenteich konnte ich im Gegensatz zu vielen anderen Besuchern allerdings wesentlich weniger abgewinnen als den zahlreichen Flughunden die sich in den Kronen der höchsten Bäume des Parks aufhalten.

Ein Besuch der Hauptstadt Port Louis und des Central Markets gehören für mich absolut zu einer Reise nach Mauritius. Mindestens genau so faszinierend wie die vielen unbekannten Gerüche in den überfüllten Markthallen und das hektische Treiben in den Gassen fand ich das Verkehrschaos und den ohrenbetäubenden Lärm an den vielen Kreuzungen der Stadt. Port Louis mag ganz nüchtern betrachtet vielleicht keine schöne Stadt sein und stark nach sämtlichen Abgasen stinken, aber irgendwie gefällt sie mir trotzdem ganz gut.

Abschluss unserer ersten, wie auch dann unserer zweiten Reise nach Mauritius war ein Katamaran-Ausflug zur im Norden vorgelagerten Îlot Gabriel. Die etwa einstündige Überfahrt von Grand Baie aus war beides mal ziemlich unruhig und einige Personen entleerten jeweils ihren Mageninhalt im tiefen Blau des Indischen Ozeans. Auf der Îlot Gabriel angekommen sind spätestens allerdings sämtliche Magenverstimmungen aufgrund unruhiger See schnell vergessen. Makellose Strände und glasklares, warmes Meerwasser mit unzähligen, bunten Fischen und prächtigen Korallen erwarten hier den Besucher ebenso wie drückende Hitze und ein gnadenloser Sonnenbrand aufgrund mangelnden Schattens. Während wir am frühen Morgen in Grand Baie bei sehr kühlem Wind fast schon am frieren waren, war es auf der Îlot Gabriel zeitweise beinahe unerträglich heiß. Nichts desto trotz definitiv einer der schönsten Orte die ich je gesehen habe und unbedingt einen Besuch wert.

 

Den Mai kann ich als Reisemonat für Mauritius bestens empfehlen. Die Temperaturen waren stets angenehm und der Indische Ozean rund um Mauritius immer noch angenehm warm. Leider sorgte ein heftiger Sturm fast vier Tage lang für andauernde Regenfälle und starke, eiskalte Winde. Insgesamt ist es auf Mauritius das ganze Jahr über verhältnismäßig warm da Mauritius in den sommerfeuchten Tropen liegt. Die heißeste Zeit in der auch die meisten Niederschläge fallen ist etwa von Dezember bis März und die kühlste und trockenste von Juni bis September.

Um abschließend nochmal ganz ehrlich zu sein, Mauritius hat auch nicht so schöne Ecken. Es gibt allgemein ein ziemliches Müllproblem und zahlreiche Straßenhunde sind entsetzlich krank oder verletzt. Dennoch lohnt sich eine Reise nach Mauritius meiner Meinung nach auf jeden Fall, und ein wichtiger Grund dafür sind die Bewohner von Mauritius. Verschiedene Religionen leben hier friedlich Seite an Seite und selten habe ich mich auf Reisen derart willkommen und wohl gefühlt und so viel Herzlichkeit und Gastfreundschaft erlebt.

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