Langer Weg nach Myanmar –  und die ANANDA ist doch die Schönste!

Langer Weg nach Myanmar – und die ANANDA ist doch die Schönste!

Unsere Reise nach Myanmar begann mit einem langen Flug über China (mit 3 Zwischenstopps und mehrstündigen Aufenthalten). Als wir dann endlich in Yangon – am 24.12.2013 – landeten, waren wir sehr überrascht, dass uns die erwartete Hitze/Schwüle nicht auf der Stelle umwarf. Statt dessen konnten wir die angenehme Wärme genießen und das trotz Erschöpfung ob der langen Anreise.

...die erste goldene Pagode...von oben...

…die erste goldene Pagode…von oben…

Auf dem Flughafen war mehr Betrieb als gedacht. Auch hier hatten wir ganz andere Erwartungen, da das Land ja nun noch nicht sehr lange für den Tourismus geöffnet ist. Zwischen die vielen Touristen drängten sich Taxiunternehmen und Guides, die ihre Dienste anboten. An einigen von ihnen gingen wir vorbei, obwohl – durch den langen Weg nach Myanmar und unsere Müdigkeit – geneigt, das nächstbeste Taxi zu nehmen. Als dann aber ein etwas vornehmerer Herr in Longhi, dem traditionellen, langen Rock – auch für Männer – auf uns zusteuerte und fragte, ob wir ein Taxi benötigten, ließen wir uns gerne von ihm ins „Schlepptau“ nehmen.

Vor dem Flughafen mussten wir einen kurzen Moment warten und schon kam ein weißes, japanisches Auto vorgefahren. Heraus sprang sehr beflissen ein junger Mann, sein Name ist Tun Lin, wie wir später erfahren. Schnell sind unsere riesigen Rucksäcke verpackt und die Fahrt in die Innenstadt von Yangon beginnt.

Tun erweist sich als sehr angenehmer, sicherer Fahrer in dem unendlichen Verkehrsgewühl. Er spricht ein sehr gutes Englisch, da er lange Zeit im Ausland – unter anderem Dubai – gearbeitet hatte. Schon auf der Fahrt zum Hotel gewinnen wir einen sehr guten Eindruck von Tun und seinem Land und den Menschen dort.

Der Turm/die Spitze der Schwedagon-Pagode bei Nacht

Der Turm/die Spitze der Schwedagon-Pagode bei Nacht

Im Hotel angekommen, brauchen wir uns um nichts zu kümmern. Unser Gepäck wird wie von Zauberhand auf unsere Zimmer befördert. Zum Abschied bietet Tun an, uns für die nächsten 10 Tage durch das Land zu geleiten. Wir können uns nicht gleich entscheiden, wollten wir doch endlich einmal – nach langen Jahrzehnten – einen Rücksackurlaub erleben.

In der Schwedagon-Pagode

In der Schwedagon-Pagode

Zwei Tage Yangon liegen hinter uns. Wir haben die Schwedagon-Pagode mehrfach besichtigt – ein absolutes „Muss“ – soviel Gold auf einmal!…Und noch dazu die größte Pagode der Welt.

Wir haben die Altstadt erlebt mit ihren vielen Straßenhändlern. Die Menschen kochen auf der Straße ihr Essen und nehmen es dann auch gleich dort ein. Alle Stände mit Essen sind wunderschön bunt, wir möchten am liebsten von allem probieren. Aber noch halten uns die Mahnungen des Gesundheitswesens des Westens zurück.

Essen am Straßenrand in der Nähe des Yangon-River in Yangon

Essen am Straßenrand in der Nähe des Yangon-River in Yangon

Wir sind zu Fuß unterwegs, leider ohne Sonnen- bzw. Regenschirm, den viele Myanmarer mit sich führen – gegen die Sonne. Dennoch, die Hitze ist erträglich, zumindest für ein paar Stunden. Danach sehnt man sich doch nach einem klimatisierten Fahrzeug. Der Staub ist allgegenwärtig – niemand ist zu Fuß unterwegs, zumindest nicht für so lange Strecken, wie wir sie uns vorgenommen haben.

Uns fällt auf, dass die Menschen in Yangon, sehr adrett angezogen sind. Wunderschöne Longhis mit zarten Spitzenblusen zieren die Frauen. Alle sind hübsch, ordentlich und sauber zurechtgemacht. Manche Frauen, seltener die Männer, tragen auf den Wangen ein ganz besonderes „Make-up“ – die Tannaka-Paste. Es ist der abgeriebene Teil der Rinde des Tannaka-Baumes, der auf die Wangen aufgetragen wird. Zugleich hat er eine kühlende Wirkung und schützt vor Sonnenbrand.

Wir müssen uns immer wieder daran erinnern, dass Myanmar sich gerade erst geöffnet hat – nach langer Militärdiktatur. Nirgendwo ist das spürbar. Vielleicht sind noch nicht so viele Touristen unterwegs – was sich später, in Bagan, schlagartig ändern wird.

Immerhin haben die Fußmärsche in Yangon bewirkt, dass wir keine Lust haben, uns mit unserem schlechten Englisch und den doch weiten Wegen zum Bahnhof durchzuschlagen. Das müssten wir nämlich, um Fahrkarten für unser nächstes Ziel, Bagan, erst mal zu bestellen. Die Fahrt würde an die 14 Stunden dauern und ist nicht sehr komfortabel – haben wir uns sagen lassen. Wie wir später hörten, gibt es zudem beißendes Ungeziefer in den Waggons.

Wir rufen Tun an und bitten ihn, uns zu fahren. Wir verhandeln den Preis und beide Seiten sind zufrieden.

Tun - unser Guide

Tun – unser Guide

Am nächsten Morgen geht es los. Tun ist sehr pünktlich zur Stelle, lädt unser Gepäck ein und los geht die Fahrt, ca.500 km gen Norden. Wir fahren mit der erwachenden Stadt. Menschen auf, in und an Pick-ups. Sie hängen und stehen, auf den Transportmitteln, wo immer sie einen Halt finden. Busse werden an Ampeln, auf abschüssigen Straßen daran gehindert zurück zu rollen, indem der Schaffner heraus springt und einen Holzkeil unter die Räder legt und diesen schnell wieder entfernt, sobald die Fahrt weitergeht.

Beladene Fahrzeuge

Beladene Fahrzeuge

Auf dem langen Weg durch die Stadt, zur Autobahn, lernen wir die Fahrweise noch besser kennen. Dieses unendliche Verkehrsgewühl lässt sich sehr gut bewältigen, indem sich die Fahrzeuge sehr klar, absichtsvoll, jedoch nicht aggressiv, ihren Weg bahnen. Irgendwie scheint es wie ein überdimensionales Reißverschlussverfahren, das ausgezeichnet funktioniert. Und auch die Überholvorgänge gelingen und das obwohl Rechtsverkehr, die Steuer der Autos mehrheitlich links angesiedelt sind. Wir fragten uns immer wieder, wie der Fahrer – rechts sitzend – die Fahrbahn nach vorn einsehen kann, und das z. B. hinter einem dicken Lastwagen.

Als wir nach langer Fahrt durch Yangons Straßen, schon jetzt – am frühen Morgen – hektischem Verkehr, endlich auf die Autobahn kommen, erfasst uns eine unheimliche Ruhe – fast Einsamkeit. Rechts und links nur Natur. Die Straße leer. Nur unser bzw. Tun’s Auto schnurrt dahin, immer angenehm gekühlt. Ab und zu sehen wir einen Fahrrad- oder Mopedfahrer auf der Autobahn, der zur Arbeit oder auf das Feld fährt. Manchmal kommt uns ein Geisterfahrer entgegen, der vielleicht gerade auf der anderen Seite eine Straße, eine Ausfahrt oder eine Stätte zur Rast sucht. Alle Viertelstunde sehen wir mal ein Auto auf der Gegenfahrbahn oder auf unserer Seite.

Ochsenkarren...typisches Bild auf dem Land.

Ochsenkarren…typisches Bild auf dem Land.

Nach längerer Fahrt entdecken wir mehrere Elefanten, die neben der Gegen-Fahrbahn dahin trotten. Wir wollen sie unbedingt fotografieren und bitten Tun anzuhalten. Er befindet sich gerade auf der Überholspür und bleibt sofort stehen. Natürlich protestieren wir und geben zu verstehen, dass wir soviel Zeit haben, damit er rechts rüber fahren kann. Doch Tun bleibt ganz ruhig und erklärt, dass alles in Ordnung ist und er sehr gut auf der Überholspur für einige Minuten halten kann. Wie er auch immer sehr überlegt ist, alles schon bedacht hat, bevor wir uns überhaupt über irgend etwas Gedanken machen konnten. Er ist uns immer einen Schritt voraus.

Sonnenuntergang am Ayeyarwady

Sonnenuntergang am Ayeyarwady

In Bagan sehen wir einen kleinen Teil der 4400 Pagoden und Stupas mit den vielen Gläubigen, Buddhas und den Donation-Boxen (Spendenbehälter aus Acryl), gefüllt mit vielen Geldscheinen. Aber das kann man in den vielen Reiseführern nachlesen.

Ananda-Pagode...mit Abstand die Schönste...!

Ananda-Pagode…mit Abstand die Schönste…!

In einem kleinen Dorf auf dem Lande, nahe Bagan, Tun fährt uns über einen „Feldweg“ dorthin, werden wir freundlich von den Dorfbewohnern begrüßt und vom Dorfältesten zu einem Tee und Jaggeris – einem köstlichen „Gebäck“ aus Palmflüssigkeit zubereitet – eingeladen. An seiner Hütte hängt – wie in vielen Häusern und Unterkünften in Myanmar – das Bild der Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi. Sie wird in diesem Land sehr geschätzt und verehrt.

Was mich beeindruckt hat waren die Menschen. Immer freundlich, zugewandt, offen und fleißig. Mit den wenigen Worten Englisch, die die Landbevölkerung in der Regel spricht, versuchten sie mit uns ins Gespräch und in Kontakt zu kommen. Und fast immer wussten sie noch nach Stunden oder gar Tagen unseren Namen und woher wir kamen.

Die Menschen in Myanmar sind eher von kleiner, zierlicher Gestalt und genau so klein und zierlich sind auch ihre Pferde und die kleinen

Pferde-Rikschas

Pferde-Rikschas

Pferdekutschen, die in Bagen die Touristen von einer Pagode zur anderen bringen.

Wir fuhren in diesen 10 Tagen sehr viel mit Tun auf nicht ganz einfachen Straßen. Das Auto war jeden Tag mit Staub übersäht. Und jeden Morgen war das Auto frisch gewaschen und geputzt. Mehr noch: Im Auto stand jeden Morgen eine große Flasche Wasser für uns bereit und für mich eine frische Jasminblüten-Kette, die Tun eigens für mich besorgt hatte.

Auf dem Weg zum Inle-Lake sahen wir „Straßenbauarbeiter“, die eine lange, breite Straße durch die Berge bauten. Wir standen staunend davor und fragten uns, wie diese Straße jemals fertig werden sollte. Mit den bloßen Händen und geflochtenen, kleinen Körben trugen die Menschen die Steine. Ohne großes Gerät und Maschinen, wie etwa in unserem Land.

Straßenbau ..bei der Arbeit auf der Straße

Straßenbau
..bei der Arbeit auf der Straße

Sowohl Männer als auch Frauen arbeiteten in Gruppen von etwa 10 – 20 Menschen zusammen, um die Straße voranzubringen. Es schien, wie eine verlorene Menschenansammlung auf dieser langen Straße, kaum möglich, dass sie jemals fertig werden konnte. Unfassbar – und doch fuhren wir auf einer Straße, die ja auch einmal auf ähnliche Weise gebaut worden war.

Tun erwies sich als rettender Engel in allen Lebenslagen. Als uns das Geld ausgegangen war und wir leider nur eine American Express Karte mitgenommen hatten, stand er uns mit Rat und Tat zur Seite. Wichtig zu wissen: Mit Kreditkarten plus Pin kommt man an den Geldautomaten, die es zumindest in den größeren Städten schon gibt, ganz gut durch das Land. Leider wird ausgerechnet die American Express nirgendwo im Land akzeptiert und dann wird es schwierig. –
Wir haben überlebt!

 Mönche am Inle-Lake erbitten sich Nahrung von der Bevölkerung.

Mönche am Inle-Lake erbitten sich Nahrung von der Bevölkerung.

Auf der Rückfahrt nach Yangon, kamen wir wieder auf die fast leere Autobahn. Wir waren sehr in unseren Gedanken und dösten in der Mittagssonne, im jedoch angenehm gekühlten Auto. Nach einiger Zeit fiel mir auf, dass Tun langsamer fuhr und immer nach rechts sah. Ich dachte, er hätte etwas Interessantes gesehen und wollte es uns zeigen. Doch dann hielt er rechts am Straßenrand an. Auf unseren fragenden Blick, erwiderte er, dass wir nun zu Mittag essen würden. Weit und breit war nichts zu sehen – am Straßenrand ein Zaun. Tun ging direkt auf diesen Zaun zu und kroch durch ein Loch, das gerade einen Mensch in gebückter Haltung durchließ. Durch den Zaun gekrochen, an Büschen vorbei, kamen wir zu einer typischen Hütte, wie wir sie auf dem Land gesehen hatten. Dort roch es wundervoll nach leckerem Essen und wir ließen es uns schmecken.

Gestärkt fuhren wir Yangon entgegen und kamen spät am Abend dort an.

Tun lud unser Gepäck aus und verabschiedete sich bis zum nächsten Morgen. Da wollte er uns noch zum Flughafen bringen. Obwohl er seine Familie und seine damals hochschwangere Frau schon 10 Tage nicht mehr gesehen hatte, stand er am nächsten Morgen schon früh wieder vor dem Hotel und brachte uns zum Flughafen. Das war sein Abschiedsgeschenk, das er uns nicht in Rechnung stellte. Am Airport angekommen, half er uns, die richtigen Abflugstellen zu finden und verabschiedete sich dann sehr herzlich.

Wir waren ein wenig traurig und wie Kinder standen wir in diesem fremden Land und mussten nun wieder selbst für uns sorgen, so kam es mir zumindest vor. Als müssten wir wieder laufen lernen!

Danke Tun! ကိုထြန္းလင္း
Du hast uns viel gezeigt, warst ein guter Lehrer – in vielen Bereichen und auf vielen Ebenen.

2 Kommentare

  1. Mr.Tun
    16. Juni 2014

    I felt so happy, glad,wonderful and i wanna drop my tear when i reading what you write.

    Antworten
  2. Tun Lin
    12. Dezember 2016

    I would like to meet you again in my life time.
    I love Charlotte and Ilmar

    Antworten

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