Ein Monat in einem der ärmsten Länder der Welt: Bezauberndes Kambodscha

Von Bangkok buchten wir einen Bus nach Poipet, der letzten thailändischen Stadt vor der Grenze Kambodschas. Da wir erst Abends ankamen, verbrachten wir dort noch eine Nacht, bevor wir uns dann am nächsten Morgen zu Fuss über die Grenze machten.

Am Grenzübergang wird man von vielen bettelnden Kindern empfangen, die einen 100m verfolgen und man wirklich mit dem eigenen Grundsatz kämpfen muss, Kindern kein Geld zu geben (da sie das Geld sowieso abgeben müssen und sonst auch in Zukunft zum Sammeln eingesetzt werden).

Als wir dann endlich alle notwendigen Stempel in unserem Pass hatten (das Kambodscha-Visum kostet übrigens 45 US$ für 30 Tage), trafen wir auf unseren Landesgenossen Arthur, mit dem wir nach Siem Reap fuhren und gemeinsam in einem Hostel eincheckten. Wir verstanden uns auf Anhieb sehr gut und haben noch am gleichen Abend in der touristischen Pub-Street feuchtfröhlich gefeiert. In der Pub-Street kann man übrigens sehr gut seine Füsse von Fischen massieren bzw. beknabbern lassen sowie leckere Käfer zum Abendessen schlemmen (wir haben ausnahmsweise mal darauf verzichtet 😉

Am nächsten Tag lernten wir seinen Kumpel und Reisebegleiter Eugen kennen und zu dem Zeitpunkt konnten wir noch nicht wissen, dass wir den gesamten Monat in Kambodscha gemeinsam verbringen sollten. Am darauffolgenden Tag machten wir uns mit einem Tuk-Tuk-Fahrer auf zum 8. Weltwunder Angkor Wat. Wir verbrachten einen tollen Tag an der riesigen, über mehrere quadratkolimetergrossen Tempelanlage und genossen den Sonnenuntergang am Angkor Wat mit einem kühlen Angkor Bierchen. Es ist schon beeindruckend, wie gut die Tempelanlagen nach über 1000 Jahren noch erhalten sind.

Insgesamt blieben wir 4 Nächte in Siem Reap und entschieden uns, zusammen mit dem Boot nach Battambang im Westen Kambodschas weiterzureisen. Die Flussfahrt führte über den grössten Süsswassersee Südostasiens Tonle Sap und zeigte viele arme Familien, die in einem kleinen hölzernen Haus auf Stelzen oder auf einem Boot auf oder am Wasser leben und nur mit dem Allernötigsten auskommen müssen. Die Kinder jedoch machten wie auch im ganzen Land einen fröhlichen Eindruck und begrüssten uns immer mit einem lauten “Hellloouuu” und wildem Winken.

In Battambang ergab sich über die sensationelle Organisation “Couchsurfing” die Möglichkeit, bei einer lokalen Familie zu schlafen, mit denen wir im Garten kochten, Plumpsklos verwendeten und uns mit Regenwasser duschten. Es war eine besondere Erfahrung, unter so einfachen Bedingungen zu leben und zeigte wieder einmal, welchen Luxus man zuhause hat.

In Battambang machten wir einen Tagesausflug zu einem Tempel auf einen Hügel und beobachteten bei Sonnenuntergang, wie 10 Millionen Fledermäuse aus einer Höhle in die Wälder flogen. Ein wirklich sensationeller Anblick.

Auch besuchten wir die Schlachtfelder der Roten Khmer, wo heute ein grosses Denkmal steht mit hunderten von Totenköpfen, die von den damals getöteten und gefolterten Menschen stammen. Das Ziel vom Pol Pot Regime war es vor ca. 35 Jahren, den grössten Bauernstaat der Welt zu gründen, was zur Folge hatte, dass alle Intellektuellen und deren Familien von den Roten Khmer umgebracht wurden. Eine sehr schreckliche und noch sehr junge Geschichte Kambodschas.

Als nächstes fuhren wir mit dem Bus nach Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas. Dort besuchten wir ein damaliges Foltergefängnis (S21), welches heute als Museum dient und mit vielen schrecklichen Bildern in den Räumlichkeiten an die Folterungen der Roten Khmer erinnern lässt.

Weitere Sehenswürdigkeiten sind die Killing-Fields, auf denen sich heute mehrere Massengräber befinden und man noch viele Knochen und Klamotten in der Erde stecken sieht. Es ist ein mulmiges Gefühl zu wissen, was genau an diesem Ort vor ca. 35 Jahren abgelaufen ist und aus Respekt vor den bis zu 2,2 Millionen Opfern veröffentlichen wir dazu keine Fotos.

Wir waren noch auf dem Russenmarkt in Phnom Penh, auf dem man Opiumpfeifen und Falschgeldblüten kaufen kann (was wir natürlich nicht gemacht haben):

Wir haben auch noch die Brücke besichtigt, auf der im November 2010 insgesamt 378 (!) Menschen bei einer Massenpanik während des Wasserfestes ums Leben gekommen sind. Alles in allem ist Phnom Penh allerdings eine sehr angenehme Grossstadt und die Promenade am Mekong und zahlreiche Parkanlagen bieten einen gemütlichen Ort zum Relaxen und Plaudern.

Nach 4 Nächten setzten wir unsere Reise an die Südküste nach Sihanoukville fort. Es stellte sich schnell heraus, dass es sich bei dem kleinen Städtchen um die Partystadt Kambodschas handelt. Somit verbrachten wir die Zeit mit Feiern, Sonnenuntergängen anschauen, Strandspaziergängen u.a. durch eine Armensiedlung und natürlich einer ganz wichtigen Komponente: Relaxen.

Von Sihanoukville ging es dann weiter nach Kampot,wo wir uns Roller ausliehen und zwei Höhlen und eine Pfefferplantage anschauten. In einer der Höhlen mussten wir durch enge und dunkle Löcher klettern und uns dabei auf zwei Taschenlampen von Kindern verlassen, die uns den Weg weisten. Das war ein wirklich abenteuerliches Erlebnis.

Mit den Rollern machten wir auch noch einen Abstecher nach Kep, ein eigentlicher Badeort, an dem wir jedoch keinen einen schönen Strand gefunden haben. Somit legten wir nur einen kurzen Stop am Krabbenmarkt ein und genossen einen kühlen Zuckerrohr-Trink.

Vom Süden machten wir uns dann wieder auf in den Norden und fuhren über Phnom Penh nach Kampong Cham. Auf dem Weg gönnte sich Eugen eine leckere gegrillte Tarantula (Vogelspinne), welche man an zahlreichen Ständen kaufen kann. Kampong Cham ist ein kleines Nest und es gibt eigentlich keine Attraktionen zu besichtigen. Also fuhren wir schon am nächsten Tag weiter nach Kratie, der Ausgangsort am Mekong, um die berühmten Mekong-Delfine zu sehen. Eine Stunde tuckerte das Boot über den Mekong und wir konnten die Delfine oft aus der Nähe um die Boote herumspringen sehen.

Wir merkten, das es immer ländlicher wurde, je höher wir in den Norden kamen. Am Abend konnten wir atemberaubende Sonnenuntergänge bestaunen.

Unser nächstes und letztes kambodschanisches Ziel Banlung in der Provinz Ratanakiri war schliesslich der Höhepunkt des Landlebens und auch hier erkundeten wir mit Rollern die atemberaubende Umgebung.

Hier gab es jedoch zum Glück einiges zu besichtigen wie Wasserfälle, einen runden Kratersee und Dörfer von ethnischen Minderheiten (wo wir uns auch mal eine Fotopause gegönnt haben). Nun heisst es noch etwas ausspannen, bis wir die Grenze nach Vietnam, unserem nächsten Ziel, überqueren können.

7 Kommentare

  1. Arthur
    17. Februar 2011

    Ein toller Bericht mit super schoenen Bilderen. Ihr solltete aber auch auf die Rechtschrebung achten, Freunde der Sonne! Sonst schreibt ihr mit viel Witz und Charme. Weiter so!

    Antworten
  2. Jörg
    17. Februar 2011

    Merci Arthuro, aber Du kriegst ja nichmal nen Kommentar ohne Rechtschreibfehler hinne ;-)…Freund der Liebe! Bist trotzdem eingeladen hier mitzuwirken, wäre mir eine Ähre!!!

    Antworten
  3. Mama und Oma
    20. Februar 2011

    Hallo Ihr Weltenbummler, wir haben mit Genuss euren Reisebericht gelesen und uns eure tollen Fotos angeschaut. Ihr werdet immer besser, auch abenteuerliches zu schreiben und so uns zuhausgebliebenen eine Möglichkeit zu geben, Anteil an euren Erlebnissen zu nehmen.
    Einfach Klasse.

    Antworten
  4. Katrin
    3. März 2011

    Hallo Ihr Lieben,

    vielen Dank für die Berichte! Mir geht das Herz auf! Ich fieber dem Tag entgegen, Euch endlich wieder zu sehen, in good old Europe! Es gibt viel zu tun 😉 Ich hoffe Ihr habt einige Anregungen mitzubringen.
    Wie ist es Euch um Việt cộng-Tunnel ergangen? Hoffe Ihr hattet keine knipsenden Touris vor Euch und seit nicht steckengeblieben. Und der Abschied vom Bruderherz war nicht allzuschwer!? Ich freue mich schon auf den naechsten Bericht, Ihr Starfotografen.
    Wir vermissen Euch, Kuesschen Katrin

    Antworten
    • Danny und Jörg
      5. März 2011

      Hallo Schwesterherz! Ich freue mich so sehr, dass dir unsere Berichte gefallen und dass du dich auch schon auf ein Wiedersehen freust. Auf unsere Hilfe kannst du natürlich zählen! Da ich ja schon vor 3 Jahren in den Cu Chi Tunneln war, sind wir nicht nochmal rein. In den nächsten Tagen gehts nach Laos. Der Vietnam Bericht kommt schon bald. Fühl dich ganz fest gedrückt!<3

      Antworten
  5. Surian Herrmann
    16. Februar 2013

    hi! super toller reisebericht! werden teile eurer tour übernehmen, daher ein paar fragen.
    wie lange habt ihr bis zum ersten halt in phnom penh?
    wieviel habt ihr immer für übernachtung und bus bezahlt?
    und am wichtigsten, wo habt ihr die hostels gebucht?! vorher übers web oder vor ort?

    lg surian

    Antworten
    • Danny und Jörg
      20. Februar 2013

      Hallo Surian,

      wir freuen uns, dass dir unser Reisebericht gefällt! Kambodscha ist ein wundervolles Land und einen Besuch definitiv wert! Gerne beantworten wir dir deine Fragen. Unsere Route in Kambodscha haben wir ja in Siem Reap gestartet. Dort haben wir 4 Tage verbracht. Hier kommt es aber ganz darauf an, wie viele Tage du Angkor Wat besichtigen willst. Du kannst einen Tagespass kaufen oder auch einen 2 oder 3-Tages Pass. Ansonsten gibt es dort nicht wirklich allzu viel zu sehen. Von Siem Reap sind wir dann mit dem Boot nach Battambang gefahren. Das war eine tolle und sehr empfehlenswerte Tour! Sie dauert ca. 8 Stunden und kostet um die 10 Euro. Hier haben wir 3 Tage bei einer einheimischen Familie verbracht. Danach ging es mit dem Bus in ca. 5 Stunden für ca. 3 Euro nach Phnom Penh. Du kommst in Kambodscha mit dem Bus überall in und natürlich am günstigsten. Am besten immer direkt am Bahnhof eine Karte kaufen. Die Hostels haben wir immer ohne Problem direkt vor Ort gebucht, das bekommst Du dort schon ab 6 Euro die Nacht. Also immer erst angeschaut und einige verglichen und dann zugeschlagen. Das hat immer super geklappt. Da braucht man noch nichtmal einen Lonely Planet. Wir wünschen dir eine ganz tolle Zeit und viell. können wir dir mit unserem Reisebericht noch ein paar weitere Tipps für Kambodscha liefern.

      Viele Grüße,
      Danny und Jörg

      Antworten

Hinterlasse einen Kommentar


Andere Reiseberichte über | |